Renée Zellweger hat dadurch im vorigen Jahr eine Drehpause eingelegt, der Skisprungstar Sven Hannawald beendete deswegen trotz professioneller Behandlung schlussendlich seine Karriere, US-Rapper Eminem hat letztes Jahr aus diesem Grunde seine Europa-Tournee abgesagt und sogar Johann Wolfgang von Goethe wird nachgesagt, daran gelitten und sich mit seiner Italien-Reise kuriert zu haben: Das Burnout-Syndrom.
Die Psychoanalytiker Herbert Freudenberger und Christina Maslach haben den Begriff erstmals im Jahre 1974 öffentlich benutzt. Doch welche Erkrankung steckt hinter dem immer häufiger zu hörenden Schlagwort „Burnout“ überhaupt, welche Personen und Berufsgruppen sind am ehesten gefährdet und auf welche Weise finden Betroffene Hilfe?
Menschen aller Berufsgruppen gefährdetFälschlicherweise wurde das Burnout-Syndrom lange als „Managerkrankheit“ bezeichnet. Doch nicht nur Menschen an der Spitze eines Unternehmens sind von diesem Gefühl der inneren Leere, des „Ausgebranntseins“ und der Erschöpfung betroffen, sondern vor allem auch Lehrer, Menschen in helfenden Berufen wie Ärzte und Krankenschwestern, Pfarrer, ebenso Hausfrauen, aber auch Profi-Sportler, Schauspieler und Sänger. Diese geistige und körperliche Erschöpfung, die zu ernsthaften psychischen wie physischen Störungen führen kann, macht vor k e i n e r Berufsgruppe Halt. Sie tritt hauptsächlich bei Menschen mit starkem beruflichem Engagement auf, die sich sehr unter Druck setzen und deren hohe Erwartung an sich selbst in Überforderung übergeht. Fehlendes Lob, ausbleibende Erfolge und/oder Überlastung, die sich vielleicht auch noch mit schlechtem Arbeitsklima und ungünstigen Arbeitsbedingungen paart, tragen zum Ausbruch der Erkrankung bei. Wenn der Betroffene hinzukommend keinen Ausgleich in der Freizeit findet, besteht die Gefahr, ins Burnout zu rutschen.
Besonders bei den so genannten helfenden und lehrenden Berufen fehlt das sehr wichtige positive Feedback, das man für seine Aufopferung erwarten würde. Denn das Klientel solcher Berufssparten wie etwa die Patientenschaft, zeigt sich den Ärzten und Krankenschwestern gegenüber oft nicht besonders dankbar, sondern stirbt ihnen – in geringer Wertschätzung ihrer aufopfernden Dienste - nicht selten unter den Händen weg. Das belastet einen motivierten Charakter und gibt ihm das Gefühl, sich umsonst hineingekniet zu haben.
Lehrern geht es bei Schülern nicht anders. Sie würden vergeblich warten, bis sich ihre Schüler dafür bedanken, dass sie einige Stunden für die sorgfältige Korrektur ihrer Schularbeiten aufgewandt haben oder für sie neues interessantes Schulmaterial recherchieren und verteilen. Im Gegenteil, sie werden bedauerlicherweise fortwährend respektloser und aufrührerischer ihren Lehrern gegenüber. Sensible Charaktere finden in der Folge bald keinen Spaß mehr an ihrem einst mit Enthusiasmus und Idealen angegangenen Beruf.
Ebenfalls werden Staatsanwälte sowie Strafverteidiger berufsbedingt von ihren Gegnern - ob von Angeklagten oder Klägern – für ihre Arbeit angefeindet. Ist ein Prozess auch gewonnen, rundherum Freude erzeugt diese Tatsache nie. Das kann sich mit der Zeit ganz schön zermürbend auf das Gemüt eines rechtschaffenen Juristen auswirken.
Arg trifft es überdies Mütter, die den Haushalt, ihren Nachwuchs und zumeist auch noch ihren Job managen müssen. Sie arbeiten zusätzlich für große Teile ihrer Arbeit kostenlos. Kein Lohn u n d keine Anerkennung für eine derartige Aufopferung: Wer sollte da nicht einmal müde werden??
Verlauf in Phasen
Das Burnout-Syndrom verläuft Wissenschaftlern zufolge in mehreren Phasen. Eingangs zeigt sich der unbändige Zwang, sich selbst zu beweisen. Das Engagement ist groß, der Mensch hat hohe Erwartungen, die er an sich und an andere stellt, die aber oft leider aufgrund von äußerlichen Bedingungen oder anderen Umständen nicht erfüllt werden können. Dies führt zu Erschöpfung und Niedergeschlagenheit. Die Folge ist, dass sich das Engagement reduziert, das Einfühlungsvermögen geringer wird und zwischenmenschliche Probleme entstehen.
Langsam wird dem Betroffenen bewusst, dass er ausgebrannt ist und reagiert mit Resignation, Schuldgefühlen, Aggressionen und sehr oft mit einer Depression. Es folgt ein absoluter Rückzug aus sozialen Beziehungen im Beruf wie auch privat, der Kontaktabbruch zu Freunden und unübersehbarer Leistungsabfall. Das Burnout-Opfer verhält sich desinteressiert und gleichgültig seinem Umfeld gegenüber und wird aufgrund der absoluten Erschöpfung gefühlsarm.
Der Körper reagiert auf diese psychischen Belastungen, indem er streikt: Betroffene schlafen schlecht, sind schneller nervös, haben zwischenzeitliche Herz-Kreislauf-Probleme und Magen-Darm-Beschwerden, Ohrengeräusche, Kopf-, Glieder- und Muskelschmerzen, Konzentrations-Störungen, und sind in vielen Fällen pessimistisch, unruhig, aggressiv und aufbrausend, womöglich sogar depressiv und haben Suizid-Gedanken. Nicht alle diese Symptome müssen auftreten, es kommt auf die jeweilige Persönlichkeit und die körperlichen Schwachstellen des Erschöpften an. Meistens enden diese andauernden gesundheitlichen Schwächungen in einem langen Krankenstand und nicht selten in Kündigung oder frühzeitiger Pensionierung.
Was können Betroffene tun?Es existieren weltweit unzählige Bücher und Theorien zu diesem Thema. Alles in allem lässt sich sagen, dass bei leichten Anzeichen des Ausgelaugtseins und der Erschöpfung eine ausgedehnte Erholung in Form einer Kur oder einer längeren Reise schon Abhilfe schaffen kann. Von einigen Prominenten ist beispielsweise bekannt, dass sie sich bei einem Anflug von Mattigkeit und Lustlosigkeit für einige Zeit zurückziehen, um ausgiebigere Reisen zu unternehmen, sich für eine karitative Sache einzusetzen oder sich völlig ihrem Privatleben und ihrer Familie zu widmen, um dann wieder gestärkt ins Rampenlicht zurück zu kehren. Hugh Grant, DJ Bobo und Celine Dion ziehen zum Beispiel die Kraft aus dieser Methode, die sich „Sabbatical“ nennt. „Sabbatical“ ist ein Begriff aus dem Alten Testament und beschreibt den Brauch, die Felder nach sechs Jahren Nutzung für ein Jahr brach liegen zu lassen. Diese Strategie wenden auch die Berner Landeskirchen an. Vor ein paar Jahren haben sie aufgrund der erhöhten Burnout-Gefahr unter den Pfarrern ein Gesetz geändert, das die Länge der Studienurlaube der seit mindestens zehn Jahren im Dienst befindlichen Pfarrer von vier auf sechs Monate verlängerte. Mit diesem Vorgehen erreichen die Landesväter, dass die Geistlichen wieder Distanz zur Arbeit gewinnen und neue Kraft schöpfen können.
Im fortgeschrittenen Stadium des Burnout-Syndroms empfiehlt sich allerdings eine Psychotherapie, die natürlich mit Yoga, Meditation, Ernährungsumstellung, Muskelentspannung nach Jakobsen, Akupressur, Akupunktur, Aromaöl-Massagen, Autogenem Training und vielem mehr unterstützt werden kann. Ebenso können homöopathische Anwendungen neben naturheilkundlichen Behandlungen körperliche Beschwerden lindern und somit den psychischen Heilungsprozess beschleunigen.
Vorbeugende MaßnahmenUm gar nicht erst so tief zu fallen, sollte man einen erfüllenden Ausgleich zur Arbeit schaffen. Dies kann eine Sportart sein, die einem Spaß macht, ein Hobby, in dem man aufgeht oder es kann der laufende Kontakt zu Freunden und netten Bekannten sein, mit denen man sich gerne trifft und unterhält. Wichtig ist es, sich nach stressreichen Tagen länger an der frischen Luft aufzuhalten. Sei es ein ausgedehnter Spaziergang oder eine Stunde Jäten im Garten, jede Art von Bewegung in der Natur tut gut und bringt neue Energie. Erholsamer Schlaf und ausgewogene Ernährung spielen ebenso eine wichtige Rolle. Die Chinesische Medizin, die in Erkrankungen ein Ungleichgewicht zwischen Yin und Yang sieht, empfiehlt, präventiv genügend Vitamin C, E und Magnesium sowie Kräutertees zu sich zu nehmen. Außerdem soll die vegetative Nervenzentrale wieder in Einklang gebracht und der Körper entschlackt werden. Dies gelänge sehr gut mit der Aufnahme von Lebensmitteln wie Melone, Erdnüsse, Walnüsse, Gurken bzw. alle wasserhaltigen Obstsorten. Sei der Körper bereits erkrankt, so empfiehlt der chinesische Heilpraktiker Li Wu in einem Interview mit dem Bayrischen Rundfunk unter anderem spezielle Kräuter wie etwa Rhizoma Atractylodis, Radix Salvae Miltiorrhizae und Radix Angelicae Pubescentis. Zusätzlich rät er zu bewusster Atmung und Bewegung, die man am besten in einem Tai-Ji-Kurs lernen könne.
Man sollte sich ebenso eine gewisse gesunde Distanz zur Arbeit bewahren oder bilden, um eine einseitige Perspektive zu verhindern. Die Aufgabengebiete in der Arbeit sollten klar aufgeteilt und der Raum für Austausch sollte gegeben sein. Feedback und gegenseitige Unterstützung sind darüber hinaus überaus wichtig. Auch die regelmäßig abgehaltene Supervision wird als gutes Mittel im Arbeitsfeld genannt.
Burnout als Anstoß für NeuanfangDas Durchleben des „Ausgebranntseins“ ist gewiss eine tragische Lebenserfahrung. Viele Betroffene wie zum Beispiel der Ex-Skispringer Hupert Neuper, der vor ein paar Jahren selbst an dem Burnout-Syndrom gelitten und sich daraufhin für ein halbes Jahr in die USA zurückgezogen hatte, sind aber aus dieser Krise nach eigener Aussage gestärkt hervor gegangen. „Solche Erfahrungen helfen einem auch in der persönlichen Entwicklung weiter“, sagte Neuper über sein damaliges Leiden.
Somit kann die Bewältigung des Burnout-Syndroms durchaus auch ein Umdenken und einen Neuanfang bewirken.