Fernbeziehungen kommen aufgrund der gesteigerten Mobilität und höheren Flexibilität im Arbeitsleben und vor allem auch durch das vermehrte Kennen lernen über das Internet immer mehr in Mode. Schätzungen zufolge lebt jedes achte Paar weiter entfernt voneinander und sieht sich nur jedes zweite oder dritte Wochenende. Die einen genießen den Freiraum, den sie durch die zeitweilige Distanz bis zum nächsten Wiedersehen nutzen können, die anderen leiden stark unter den ständigen Trennungen. Wochenendbeziehungen haben durchaus ihre Vorteile, jedoch bergen sie auch Gefahren, denen man bei richtigem Umgang jedoch sehr gut entgegenwirken kann.
Gründe für das ScheiternGeorge Clooneys Beziehung mit Lisa Snowdon ist seinen Angaben zufolge wegen der weiten Distanz in die Brüche gegangen. Lisa wollte ihre Heimat Großbritannien nicht für ein dauerhaftes Domizil in Hollywood aufgeben. Wie diesem Promi-Liebespaar ergeht es wohl den meisten Gescheiterten. Die Paare entfremden sich mit der Zeit, da sie ihre täglichen Erlebnisse und Gefühle nicht mit dem Partner besprechen können. Zugleich versäumen sie es, sich vereinte Ziele zu stecken und somit eine gemeinsame Perspektive zu schaffen, die sie emotional beieinander hält. Vielen fehlt die ständige Nähe und Geborgenheit und ebenso die gemeinsamen Entscheidungen im Haushalt. Einigen Paaren ist zudem die ständige körperliche Nähe sehr wichtig und sie empfinden die Zeiträume ohne den Partner als sexuelle Durststrecken.
Vorteile der FernbeziehungJe nach Charaktertyp gestaltet sich das Erleben einer Fernbeziehung verschieden. Während die einen Pärchen unter der fehlenden Nähe leiden, ziehen die anderen durchaus ihre Vorteile daraus. Sie haben in der Trennungszeit Freiräume, in denen sie sich vollends auf ihren Job konzentrieren und somit ihre Karriere vorantreiben können. Kommen sie öfter mal später von der Arbeit nach Hause, wartet niemand mit sauertöpfischem Gesicht auf sie. Sehen sie sich am Wochenende endlich, ist die Sehnsucht inzwischen schon ins Unermessliche gewachsen, der Sex und die gemeinsam erlebte Zeit ist umso schöner. Sie geraten sich außerdem nicht so leicht wegen Kleinigkeiten in die Haare, denn alltäglichen Problemsituationen wird kein Gewicht gegeben. Sie genießen die wenige gemeinsame Zeit in vollen Zügen und können sich mit voller Lust aufeinander konzentrieren. Einer Studie des US-Psychologen Gregory Guldner zufolge, erfolgen bei Fernbeziehungen Trennungen nicht häufiger als bei Nahbeziehungen und trennt sich ein Fernpaar, geben nur etwa 40 Prozent der Männer und etwas weniger als 30 Prozent der Frauen der räumlichen Distanz die Schuld.
Wie man es richtig anstelltDa die Kontrolle über den Partner durch die Distanz nur schwer möglich ist, ist gegenseitiges Vertrauen das Allerwichtigste. Dieses kann nur aufgebaut werden, wenn sie immer füreinander gut erreichbar sind und sich gegenseitig in jeder Hinsicht aufeinander verlassen können. Zwischen den Treffen sollten auf keinen Fall mehr als drei Wochen vergehen, da eine Entfremdung entstehen kann. Die emotionale Nähe kann mit den heutigen Kommunikationsmitteln sehr gut aufrechterhalten werden. Über tägliche Telefonate und E-Mails sollten sie einander am Alltagsleben, an den Tagesereignissen und erlebten Gefühlen teilhaben lassen. Ein Münchner Psychologe behauptete kürzlich, dass ohne virtuellen Sex Fernbeziehungen kaputt gingen. Ob das jedermanns Sache ist, bleibt jedoch dahin gestellt und dem Paar individuell überlassen. Dass eine an sich gut laufende Fernbeziehung zerbricht, weil man keinen Online- oder Telefonsex betrieben hat, kann wohl nicht als allgemein gültig betrachtet werden.
Wichtig ist es jedoch vor allem, dass die Paare in einer Fernbeziehung einen gemeinsamen Lebensplan haben. Sie sollen sich gemeinsame Ziele stecken und darüber sprechen. Nur wenn beiden klar ist, dass diese Distanzbeziehung ein Übergangsphänomen ist, ist eine Fernbeziehung über längere Zeit haltbar, so ein deutscher Soziologe. Doch Vorsicht: Man kann durchaus auch zuviel des Guten tun und es mit dem Planen übertreiben. Das könnte den anderen einengen und ist einer ausgeglichenen Beziehung sicher nicht förderlich.
Beachtenswertes beim ZusammenziehenFernbeziehungen halten Beobachtungen zufolge meist zwei bis drei Jahre. Bis dahin haben sich die Pärchen entweder getrennt oder sie sind zusammengezogen. Eine Wochenendliebe ist zudem eher ein Beziehungsmodell für Pärchen zwischen 20 und 35 Jahren, denn zumeist verändern gemeinsame Kinder die Lebenssituation: Ein Zusammenziehen ist zwingend nötig.
Hat man sich endlich den Wunsch des ständigen Zusammenseins erfüllt, gibt es mit hoher Wahrscheinlichkeit Schwierigkeiten beim Übergang von der Fernbeziehung auf die Nahbeziehung. Die plötzliche Nähe durch den regelmäßigen Kontakt kann den Liebenden ein ungewohntes Gefühl des Eingeengtseins geben. Hinzukommend entdecken sie häufig gewisse Eigenschaften und Angewohnheiten des anderen im Alltag, die sie zuvor nicht gesehen hatten, ja teilweise nicht sehen konnten. Hier gilt es miteinander darüber zu sprechen und Kompromisse zu schließen. Kein Mensch ist fehlerfrei und: „Die Irrtümer des Menschen machen ihn eigentlich liebenswürdig“, relativierte schon Johann Wolfgang von Goethe.