Optische Reize spielen eine große Rolle im
Wahrnehmungsvermögen des Menschen. Wir lernen schon im frühesten Kindesalter,
das ist ein Baum, das ist ein Auto, das ist ein Haus und das ist ein Hund.
Hierbei handelt es sich um rein kollektives Wissen. Ob Baum, Auto, Haus und
Hund nun als schön, langweilig, hässlich oder normal empfunden werden, ist eine
rein subjektive Einschätzung, die sich im Laufe der Jahre herausbildet. Wichtig
ist, dass etwas erkannt wird. Sind es anfangs eher elementare Dinge, die wir
uns merken, werden sie zunehmend und entsprechend der persönlichen Interessen
diffiziler. Je öfter man etwas sieht, desto einfacher prägt es sich ein.
Wer beispielsweise in einer ihm fremden Stadt ist und Geld
abheben möchte, wird sich anhand von Logos großer Banken orientieren und etwa
nach dem roten „S“ mit dem Punkt darauf für Sparkassen oder an einem
stilisierten „V“ auf blau-orangem Untergrund für Volksbanken schauen. Gleiches gilt
auch für Apotheken oder Tankstellen. Schon Kinder kennen bestimmte Logos. So
hat der englische Starkoch Jamie Oliver in seiner Serie „Jamie´s School
Dinners“ Jungen und Mädchen einer Grundschule frisches Gemüse gezeigt. Das kannten
viele überhaupt nicht. Anders bei den Logos einer großen Fastfood-Kette und
eines Pizza-Lieferservices. Hier wussten alle, worum es sich handelt und wer
für welches Zeichen mit welcher Dienstleistung steht.
Optik ist von daher ein entscheidendes Kriterium für viele
Unternehmen geworden. Selbst die Parfümindustrie, die eigentlich olfaktorisch
ausgelegt ist und den Geruchssinn ansprechen soll, setzt auf optische Reize.
Ein Parfüm, das in einer einfachen braunen Flasche abgefüllt ist, wird weniger
Interessenten finden als solches, dessen Verpackung auf modernem Design beruht.
Teilweise – und das gilt für einige Branchen – ist das Drumherum wichtiger als
der Inhalt.
Das alleine reicht aber noch nicht. Wieder erkannt zu werden
– darauf kommt es an, um auf einem stetig wachsenden und enger werdenden Markt
bestehen zu können. Das gilt nicht nur heute, sondern schon erheblich länger.
Clans und Herrscher hatten ihre Zeichen, durch die sie und ihr Besitz von
Feinden, Freunden oder Geschäftspartnern erkannt wurden. Es waren einfache, einprägsame
Zeichen wie die Sonne, ein Stierkopf, ein Pferd oder eine Axt. Handwerker
hinterließen unter anderem auf Dombaustellen und von ihnen bearbeiten Steinen
oder Bohlen ihr Zeichen, das Forschern heute wichtige Daten liefert. Händler
hatten ihr Signet, Pferdezüchter brannten ihres in das Fell der Tiere und
Künstler setzten es auf die Leinwand.
Ende des 12. Jahrhunderts entwickelte sich eine neue Form
des Kennzeichens, durch das man Familien, Herrscherhäuser und Städte
unterscheiden konnte: Das Wappen. Wurden sie früher verliehen, kann heute jeder
seiner Familie ein Wappen stiften oder für sein Unternehmen ein Firmenwappen
anfertigen lassen. Es ist eine sehr traditionelle Form eines Logos. Die
Menschen wussten, welcher Herr welches Zeichen beziehungsweise welche Zeichen
auf dem Schild führt. Sie dienten in Schlachten der Unterscheidung und wurden
in von Herolden geführten Wappenrollen aufgelistet. Ein Wappen war und ist an
den Namen gebunden und wird auch heute noch von alteingesessenen und auf
Tradition bauenden Firmen als Zeichen benutzt. Vor allem Winzer zieren die
Etiketten auf den Weinflaschen häufig mit dem Wappen ihrer Familie.
Wer sich heute für ein Wappen entscheidet, muss sich
allerdings im Klaren darüber sein, dass er – solange es kein Phantasiewappen
sein soll, und auch hier gibt es Regeln – nicht nach Gutdünken gestalten und
entwerfen kann. Die Bestimmungen, wie ein Wappen auszusehen hat und welche
Tingierung, sprich Farbgestaltung, erlaubt ist, sind alt, gelten aber nach wie
vor. Von daher ist es ratsam, sich auf dem Weg zum Wappen an einen Heraldiker
zu wenden. Denn neben den Gestaltungsgrundsätzen gilt wie auch bei Logos: Es
muss unverwechselbar sein, also nicht zwei- oder mehrmals vorkommen. Und: Nicht
jeder der Müller heißt, hat das gleiche Wappen. Wenn nicht klar ist, ob schon
ein Wappen vorhanden ist, muss daher Ahnenforschung betrieben werden, um
einwandfrei und lückenlos nachweisen zu können, dass man in direkter männlicher
Linie vom Wappenstifter abstammt. Eine Neuschaffung ist da oft einfacher. Wer
es nun gestaltet, ein Grafiker oder der Heraldiker, ist im Grunde egal, solange
das fertige Wappen auf heraldische Korrektheit geprüft wird. Denn nur so kann
ein Eintrag in eine Wappenrolle beantragt werden und ist von Erfolg gekrönt.
Dieser Eintrag ist wichtig, wenn es um Streitigkeiten um das Wappen kommt. Der
Stifter kann in dem Fall belegen, wann er das Wappen hat eintragen lassen und
somit seine Rechte durchsetzen. Schließlich gilt das Familienwappen rein
rechtlich als Beizeichen zum Namen und ist per Gesetz geschützt – deutsche
Familienwappen durch internationale Verträge und Abkommen sogar weltweit. Wer
ein Firmenwappen hat, der sollte darüber nachdenken, zusätzlich zum Eintrag in
eine Wappenrolle auch eine Registrierung beim Patentamt vorzunehmen. Ob man nun
ein Familienwappen auch als Firmenwappen nutzt, ist jedem selbst überlassen.
Über die Vor- und Nachteile wird ein Heraldiker informieren, in rechtlichen
Fragen auf jeden Fall ein Anwalt.
Da ein Wappen an bestimmte Regeln gebunden ist, vor allem in
der Wahl der Farben, und vielen zu traditionell oder altbacken ist, setzen sie
auf ein modernes Logo. Es bietet mehr Spielraum in den Gestaltungsfragen und
lässt sich so leichter gemäß der eigenen Wünsche und Vorstellungen erarbeiten.
Die Frage dabei ist immer: Was möchte ich und was soll das Logo aussagen? Es
gibt nahezu unendlich viele Möglichkeiten, ein Logo oder Firmenzeichen zu
gestalten. Manche setzen auf einen einfachen Schriftzug, vielleicht in einem
besonders hervorstechenden Schrifttyp, andere bevorzugen rein grafische
Elemente oder kombinieren Grafik und Text.
Für welche der Varianten man sich letztlich entscheidet,
kann von mehreren Faktoren abhängen. In erster Linie ist dies die Zielgruppe,
die Menschen, die das Logo sehen und vor allem im Gedächtnis behalten sollen.
Eine Internetseite oder Firma, die sich an Kinder und Jugendlich wendet, kann
sich zum Beispiel für (Comic)Figuren und ein eher farbenfrohes Erscheinungsbild
entscheiden. Ein Bestattungsunternehmen hingegen dürfte mit einem allzu bunten
Schriftzug oder Signet kaum dem entsprechen, was von ihm erwartet wird. Denn
auch von der Branche hängt das Design eines Logos oder Firmenzeichens
maßgeblich ab. Ist ein Schweinskopf für den Metzger in Ordnung, sind es beim
Bäcker Brezeln, Brote oder Brötchen, beim Maler ein Pinsel oder Farbtopf und
bei einem PC-Versand vielleicht Monitor oder Tastatur – ob nun in natura oder
aber stark stilisiert.
Da nicht alle Branchen für ein gegenständliches Logo
geeignet sind und es nicht jedermanns Geschmack ist – wie generell das
Endergebnis häufig vom eigenen Geschmack geprägt ist - , wird zunehmend auf
andere Möglichkeiten der Gestaltung zurückgegriffen. Ein geschwungener Bogen
vor, unter oder neben dem Firmennamen kann für Dynamik stehen. Weitere Optionen
sind geometrische Figuren, einzeln oder gruppiert, einzelne hervorgehobene
Buchstaben, gerade, gezackte oder gekrümmte Linien und vieles mehr. Es gibt
kaum Grenzen, auch in der farblichen Gestaltung. Allerdings sollte man es nicht
übertreiben. In der Regel lässt sich ein einfaches und simples Logo leichter
merken als ein kompliziertes und überladenes. Bestes Beispiel: Eine große
Fastfood-Kette, die nur einen Buchstaben als Logo nutzt. Wichtig ist, auch um
möglichen Ärger zu vermeiden, dass das Logo einmalig ist und nicht schon jemand
anders Rechte daran hat. Es sollte also exklusiv sein.
Nun kann man sich selbst hinsetzen und anfangen, sein Logo
oder Firmenzeichen zu gestalten. Das hängt ganz von den eigenen künstlerischen
Fähigkeiten ab. Denn ohne Talent nützt auch das beste Grafikprogramm herzlich
wenig und dürfte das Ergebnis entsprechend mau sein. Sicherlich lassen sich
auch mit günstiger oder kostenloser Software tolle Logos zaubern, wenn Idee und
Können vorhanden sind. Wer eine professionelle Arbeit möchte und seine Vorzüge
auf anderen als dem gestalterischen Bereich hat, sollte sich an einen Grafiker
oder Grafikdesigner wenden oder zumindest an jemanden, der sich sehr gut
auskennt und das mit Referenzen belegen kann.
Profis wissen, worauf es ankommt. Sie setzen sich mit dem
Kunden zusammen (und sei es per eMail oder Messanger) und besprechen konkret,
was gewünscht wird, wer angesprochen werden soll und welche Farben die
richtigen sein könnten. Teils gibt es dann mehrere Vorschläge, von denen einer
so lange überarbeitet wird, bis der Auftraggeber absolut zufrieden ist. Geklärt
sein sollte auch die Frage, wofür das Logo verwendet wird: Nur für den
Internetauftritt, für Geschäftspapiere und Visitenkarten oder soll mit dem Logo
eine Corporate Identity geschaffen werden? Je nach Verwendungszweck sind andere
Dateiformate und Auflösungen nötig, um optimale Ergebnisse zu erzielen.
Ein hoher Wiedererkennungswert ist damit noch nicht
garantiert. Denn so gut das Logo auch ist, um wieder erkannt zu werden, muss es
bekannt werden. Und nur wer es sieht, kann es sich auch merken. Dafür
allerdings eignet sich ein Logo hervorragend. Sich Namen zu merken fällt vielen
nämlich schwerer, als sich an ein Zeichen zu erinnern. Und je einprägsamer es
ist, desto besser. Wenn dann auch noch
eine bestimmte Eigenschaft damit assoziiert wird, erfüllt das Logo voll und
ganz seinen Zweck.