Jede Liebesbeziehung macht eine Entwicklung durch. Für manch frisch Verliebte mag diese Erkenntnis erschreckend sein, da sie hoffen, ihre Vernarrtheit ineinander werde nie enden. Erkennt man aber, dass diese Phasen notwendig und normal sind und geht richtig damit um, gelangt man zur Belohnung am letzten und erstrebenswertesten Abschnitt an: Der Liebe fürs Leben. Zuerst gilt es aber, einige Hürden zu nehmen: Die sechs Phasen der Beziehung.
Ein harter Weg bis zur ErfüllungEs gibt verschiedene Theorien zu den Phasen einer Beziehung. Dem Modell einer amerikanischen Ehetherapeutin zufolge durchlebt eine Partnerschaft sechs Phasen: Die erste ist die Phase der Schwärmerei. Die Liebenden entdecken Gemeinsamkeiten, idealisieren sich gegenseitig, stellen sich auf den anderen ein und sind bereit, einander alle Wünsche zu erfüllen. In der zweiten Phase treten die Schwächen des anderen und Verschiedenheiten in Lebenseinstellung und bei Situationen auf. Erste Gefühle der Enttäuschung kommen zutage. Die Phase drei ist dem Machtkampf gewidmet: Jeder versucht, den anderen zu verändern, ihn nach seinen Erwartungen zu formen. Dabei wird Misstrauen geschürt, wütende Auseinandersetzungen und Schuldzuweisungen sind die Folge. Die vierte Phase beschreibt die Ehetherapeutin mit dem „Verflixten 7. Jahr“. Es muss nicht wirklich das siebente Jahr des Zusammenseins sein, in dem einer oder beide Partner den Wunsch verspüren, sich zu trennen, da sie sich vom anderen eingeengt fühlen. Die fünfte Phase ist die Phase der Versöhnung, in der die Partner wieder zueinander finden, da sie erkannt haben, dass der jeweilige Partner nicht unbedingt den eigenen Erwartungen entsprechen muss. In der sechsten und letzten Phase akzeptiert man sich. Ein Gleichgewicht zwischen Nähe und Selbständigkeit hat sich entwickelt. Die Partner nehmen sich gegenseitig an, wie sie sind.
Vom Kennen lernen bis zur Liebe fürs LebenEine weitere Theorie aus Deutschland beschreibt ebenso sechs Phasen. Die erste ist die Phase, in der die Liebenden „übereinander herfallen“. Es handelt sich dabei um die Zeit des Verrücktseins nach dem anderen, des großen Gefühls und Genusses. Es bildet die Basis für alles Weitere. In Phase zwei stellt sich ein wohliges Glücksgefühl ein. Man ist sich sicher, den richtigen Partner fürs Leben gefunden zu haben. In Phase drei beginnt der Alltag in den Vordergrund zu rücken. Die Pärchen lernen sich bei der Bewältigung des Alltags besser kennen und sie fragen sich bei gewissen Situationen erstmals, ob sie es sich wirklich so vorgestellt haben. Es ist die sensibelste Phase einer Beziehung, in der auftretende Probleme sozusagen an der Wurzel bewältigt werden sollten. In der Phase vier geht es dann noch ein wenig heißer zu: Die Stress- und Streitphase, in der die Paare anfangen, sich verbal auseinander zu setzen, um Meinungsverschiedenheiten auszutragen. Diese Phase ist die schwierigste, da sich herausstellt, ob eine Beziehung hält oder ob man sich trennt. In dieser Phase des Aussondierens verharren manche Paare ziemlich lange. In der fünften Phase dann trennt man sich oder es tritt Ruhe im Beziehungsleben ein. Die jeweiligen Partner finden in dieser Zeit zu sich selbst, Freiräume werden gegenseitig zugebilligt und es tritt eine definitive Festigung der Partnerschaft ein. Dem Übergang zur Phase sechs sind nun keine Schranken mehr gesetzt. Sie ist die Phase des Glücks, des Gefühls der Sicherheit, unbedingten Vertrauens und des sich Liebens. Auch in dieser Phase gibt es natürlich noch immer Bewegungen – und damit sind nicht nur die im Bett gemeint... Natürlich kann man diese Grundsätze sicherlich nicht auf alle Beziehungen ummünzen, da Partnerschaften wie die Menschen selbst individuell und sehr komplex sind.
Weiterentwicklung in der BeziehungKrisen sind Psychologen zufolge ganz normale Erscheinungen in einer Partnerschaft. Das Verhalten des einen Partners ist durch das des anderen bedingt und umgekehrt. Nach dem Schema Reiz und Reaktion reagiert der eine auf den anderen. Die Liebenden müssen sich weiterentwickeln und Anpassungsfähigkeit, aber auch Eigenständigkeit beweisen. Starre und Starrköpfigkeit bringt einen nicht nur im Arbeitsleben nicht weiter, sondern bringt auch eine Beziehung zum Scheitern.
Um eine Liebesverbindung trotz möglicher auftretenden Krisen aufrecht und lebendig zu erhalten, ist es u. a. wichtig, Alltagsrituale zu pflegen. Gemeinsames Kochen, ein gemeinsames Mittagsschläfchen, zusammen lesen oder spazieren gehen schweißt ein Paar zusammen, da diese Aktivitäten das Gemeinschaftsgefühl stärken. Ebenso erfüllt eine gegenseitige offene Anerkennung dem anderen gegenüber beide Partner mit Zufriedenheit und festigt eine Beziehung ebenso wie der rege Austausch über Erlebnisse und Gedanken im Alltag. Wichtig ist es auch, gemeinsame Ziele wie Reisen oder Umbau des Hauses/Umgestaltung der Wohnung, zu besprechen, zu planen und auszuführen.
Gleichgewicht im SelbstwertgefühlIn einer funktionsfähigen Partnerschaft stehen beide Partner in einem gleichwertigen Verhältnis zueinander. Nur wenn sie aber mit ihrem Selbstwertgefühl im Gleichgewicht stehen, ist ein Gelingen wahrscheinlich. Wenn jedoch einer dem anderen unterlegen ist oder es zu sein glaubt, bleiben heftige Konflikte und Auseinandersetzungen nicht aus, da Eifersucht und Neid einen großen Teil der Basis bilden. Vorsicht: Problematisch kann es in etwa werden, wenn ein gleichwertiges Paar Nachwuchs bekommt und die Frau sich aufgrund ihrer neuen Rolle als Hausfrau und Mutter als minderwertig betrachtet. Zudem kann eine Liebesbeziehung stark ins Schwanken kommen, wenn einer der Schwächere ist und immer „nimmt“ und der andere der Stärkere ist, der immer „gibt“. Da sich Partner in einer gut funktionierenden Partnerschaft immer gegenseitig unterstützen und somit diesbezüglich im Gleichverhältnis stehen sollten, rächt sich das Ungleichverhältnis nach einiger Zeit.
Grundsätzlich ist es aber so: Wenn zwei harmonieren und die Fähigkeit besitzen, Probleme konstruktiv und sachlich zu lösen, wenn sie gemeinsam Spaß haben und über dieselben Ereignisse lachen können, in vielen Fragen übereinstimmen und bereit sind, einander zuzuhören und zu unterstützen, kann eigentlich nichts mehr schief gehen.