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Rollenverteilung in der Partnerschaft


In den letzten Jahrzehnten hat sich die Rolle der Frau und somit auch die des Mannes in der Gesellschaft und vor allem in Lebensgemeinschaften und der Familie stark verändert. Der weibliche Teil ist nicht mehr nur rein für den Haushalt und die Kinder zuständig und in der Folge ist natürlich auch die männliche Rolle eine andere geworden. Wo liegen die Vor- und Nachteile dieses Wandels? Kommt die neue Gesellschaft gut damit zurecht?

Rollenverteilung früher

Früher war alles ganz einfach: Der Mann war der Ernährer und das Oberhaupt der Familie, die Frau hatte für den gemeinsamen Haushalt und die Kinder zu sorgen. Sie war aufgrund ihrer finanziellen Abhängigkeit dem Mann mehr oder weniger unterworfen. Er war sozusagen ihr Vorgesetzter und hat befohlen, was wie im Haus zu geschehen hatte, während er in der Arbeit war. Schließlich bekam sie ja Haushaltsgeld von ihm und ein bisschen mehr – wenn er nett war... Es war damals nicht allgemein üblich, dass eine Frau eine Ausbildung über die Pflichtschule hinaus genoss. Sie übten daher selten einen Beruf aus, mit dem sie Geld verdienen konnten und unabhängig waren. Hatten sie einen, gaben sie ihn bei der Hochzeit oder spätestens zur Geburt des ersten Kindes auf und kehrten danach nicht mehr in die Erwerbstätigkeit zurück. Vor allem auf dem Lande haben früher oft drei Generationen unter ein und demselben Dach gewohnt. Die Hausfrau war der Mittelpunkt der ganzen Familie, der ruhende Pol, der emotionale Stützpunkt, die Herrin über den „Futtertrog“.

Entwicklung im letzten Jahrhundert

Die Rolle der Frau hat sich im Laufe des letzten Jahrhunderts vor allem stark durch die Industrialisierung und die beiden Weltkriege verändert. Schon Anfang des 20. Jahrhunderts haben die Suffragetten, radikale Frauenrechtlerinnen in Großbritannien und den USA, für ihre Rechte hinsichtlich Wahlrecht, Bildung, Privateigentum und Erwerbsarbeit gekämpft. Sie haben allerdings  n i c h t  die traditionelle Rollenverteilung zwischen Mann und Frau in Frage gestellt. Erst um die Mitte des 20. Jahrhunderts und in den 60-iger Jahren wurde vor allem die Rollenverteilung und das Patriarchat von den Frauen in Frage gestellt und angefeindet.
Durch die Kriege mussten sie sehr eigenständig ihr Leben meistern und wurden ruckartig aus ihrem Abhängigkeitsdasein heraus gerissen, da während des Krieges und bei den meisten leider dann auch in der Nachkriegszeit gar kein Mann mehr da war, der sie unterstützen hätte können. Außerdem wuchs das Ansehen der Frauen in der Gesellschaft, als diese auf sich allein gestellt für den Wiederaufbau angepackt hatten...

Rollenverteilung heute

Die bessere Bildung für Frauen, das damit gestärkte Selbstbewusstsein durch den eigenen Job und die finanzielle Unabhängigkeit vom Mann lässt ein völlig neues Rollenbild entstehen. Frauen lieben ihren Job, halten ihre Babypausen kurz oder kommen bald nach der Geburt des Kindes voll oder teilzeitbeschäftigt retour, um den Anschluss zum Berufsleben nicht zu verlieren. Da sie dadurch genauso umfangreich beschäftigt sind wie der Mann, stellt sich automatisch die Frage zwecks Arbeitsaufteilung im Haushalt und in der Kinderbetreuung. Erst in den letzten etwa 15 Jahren ist eine Änderung der Einstellung in den Partnerschaften zu beobachten. Modern erzogene und einsichtige Männer übernehmen einen Teil der Pflichten im Haushalt und in der Kindererziehung, wenn ihre Frau ganztägig berufstätig ist. Dabei ist die gerechte Aufteilung der Aufgaben wichtig, damit Ungleichheiten keine Zwistigkeiten in der Partnerschaft hervorrufen. Während Männer sich lieber um den Müll und das Ausräumen des Geschirrspülers und das Staubsaugen kümmern, übernehmen Frauen das Kochen, Putzen und Bügeln. Man muss ja schon froh sein, wenn Mann überhaupt was angreift... Leider ist das auch heute noch in vielen Partnerschaften nicht selbstverständlich.
Der Schweizer Sozialforscherin Dr. Margret Bürgisser zufolge gibt es zwei Modelle der Rollenverteilung. Zum einen das Dual-Carreer-Modell, bei dem beide Partner voll arbeiten und die gemeinsamen Kinder von familienfremden Personen betreut werden. Dieses Modell wird oft gewählt, wenn  e i n  Gehalt für das Bestreiten der Ausgaben nicht ausreicht oder wenn beide ihre Karriere voran bringen wollen. Das familienfreundlichere Modell ist laut Bürgisser das „Halbe-Halbe“-Modell, das eine Einteilung/Minderung der Erwerbsarbeit beider Partner soweit vorsieht, dass keine Fremdbeaufsichtigung der Kinder notwendig wird. Ein großer Vorteil dieser Lösung ist, dass beide Partner dadurch verschiedene Lebensinhalte kombinieren und somit die Freuden - und Leiden - der Arbeitswelt und der „Heimwelt“ erleben. Man ist nicht nur auf einen Tätigkeitsbereich konzentriert, was mitunter mehr Zufriedenheit und Lebensfreude bringt.

Wie kommen die Menschen mit der Veränderung zurecht?

Ob sich die Rolle des Mannes geändert hätte, wenn sich die der Frau nicht entwickelt hätte? Es gibt noch immer viele, die der Emanzipation der Frau mit Misstrauen gegenüber stehen. Vor allem ältere Generationen und Männer, die gerne ihr Pascha-Leben weiter geführt hätten. Frauen, die nach ihrer Karenzzeit oder noch früher in ihren Job zurückkehren, werden gern als Rabenmutter gesehen, denen ihre Kinder nicht wichtig sind. Im Arbeitsleben werden Männer immer noch schief angesehen, wenn sie ihre Arbeitszeit zugunsten ihres Kindes reduzieren möchten oder den einen oder anderen Tag frei nehmen, um zum Elternsprechtag oder mit dem Kind zum Kinderarzt zu gehen.
Die Einstellung zum modernen Rollenbild der Frau kann man auch ganz gut aus des französischen Schauspielers und Komponisten Charles Aznavours (*1924) Bemerkung herauslesen: „Frauen haben heute sicher mehr Rechte. Aber mehr Macht hatten sie früher.“
Autor:  Admin

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