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Schnarchen – Wenn nachts die Wände wackeln


„Drei Dinge helfen, die Mühseligkeiten des Lebens zu tragen: Die Hoffnung, der Schlaf und das Lachen“, sprach der Philosoph Immanuel Kant (1724-1804). Doch was, wenn einem der erholsame Schlaf jede Nacht durch einen laut schnarchenden Partner abhanden kommt? Diese nächtliche Ruhestörung kann nicht nur eine Bewährungsprobe für eine Liebesbeziehung bedeuten, sondern auch durchaus gesundheitliche Schäden beim Schnarcher selbst auslösen. Eine Abklärung der Ursachen und Linderung durch Gegenmaßnahmen ist daher unabdingbar.

Ursachen und Gefahren

Abgesehen von der Gefahr, vom Ehepartner mit rotgeränderten Augen vor lauter Wut über den nächtlichen Krawall im Schlaf gemeuchelt zu werden, kann krankhaftes Schnarchen einige andere gesundheitliche Schäden hervorrufen: Herzrhythmusstörungen, Herzinfarkte und weitere Herzkrankheiten, Schlaganfall, Bluthochdruck und sexuelle Funktionsstörungen bis hin zur Impotenz. Etwa neunzig Prozent der Schnarcher sind Männer; Frauen schnarchen meist ab Mitte fünfzig. Dies ist auf die Abnahme der weiblichen Hormone zurückzuführen.
Das Schnarchen kann durch viele Faktoren ausgelöst werden. Harmlos ist es, wenn es durch einen Schnupfen zu einer vorübergehenden Verhinderung der Nasenatmung und somit zum Schnarchen durch die verengten Luftwege kommt. Krankhaft wird es, wenn Verengungen der oberen Luftwege durch anatomische Gegebenheiten dauerhaft bestehen und der völlige Verschluss der Atemwege Atempausen (Schlafapnoe) verursacht. „Apnoe“ kommt aus dem Griechischen und bedeutet „Windstille“. Es handelt sich bei der Obstruktiven Apnoe (OSAS) um ein lautes heftiges Schnarchen beim Einatmen, auf das eine längere Atempause folgt. Diese Atempausen treten mindestens zehn Mal pro Schlafstunde und bis zu sechshundert Mal pro Nacht auf. Die Luft kann zehn Sekunden, im Extremfall sogar zwei Minuten lang wegbleiben. Der dadurch entstehende Sauerstoffmangel führt tagsüber zu Konzentrationsproblemen, Kopfschmerzen und Müdigkeit. Die Zentrale Apnoe hingegen ist eine eher seltenere Form der Atempausen, bei der das Gehirn „vergisst“, die Atmung während des Schlafes aufrecht zu erhalten. Der Schlafende schreckt reflexartig auf und beginnt dadurch wieder zu atmen.
Verengungen der Luftwege können z.B. durch vergrößerte Nasenpolypen, einer verkrümmten Nasenscheidewand, eine Erschlaffung des Gaumensegels, einer zu großen Zunge oder vergrößerte Gaumen- und Rachenmandeln hervorgerufen werden. Eine Fehlstellung des Kiefers kann ebenso die Ursache für die nächtlichen Sägegeräusche sein.
Neben den anatomischen Ursachen können auch äußere Umstände das Schnarchen begünstigen. So führen der Genuss von Alkohol und die Einnahme bestimmter Medikamente wie Schlaf- oder Beruhigungsmittel oder Antihistaminen zur verringerten Muskelspannung im Rachenraum. Alkohol wie auch Kaffee, Tee und Nikotin setzen überdies die zentrale Steuerungsfunktion des Gehirns herab: Die Kommunikation zwischen Gehirn und Atemorganen funktioniert nicht einwandfrei. Schlafmittel können bei krankhaften Schnarchern sogar zum Erstickungstod führen, da die Alarmfunktionen dadurch herabgesetzt werden und sich das bei Atempausen fatal auswirken kann. Übergewicht kann weiters schnarchfördernd wirken, da die Fetteinlagerungen die Atemwege einengen.
Symptome wie Einschlafzwang am Tag, geringe Leistungsfähigkeit, Alpträume und Depressionen sind als Folge des Schnarchens keine Seltenheit. Die Reaktionszeit und  allgemeinen Denkleistungen sind Tests zufolge bei Schnarchern durch den nächtlich entstandenen Sauerstoffmangel stark beeinträchtigt. Verwicklungen in Verkehrsunfälle sind oft die Folge.

Selbsthilfe

Neben vielen Berühmtheiten hat beispielsweise auch der Komponist Johannes Brahms im Schlaf Konzerte aufgeführt. Ausnahmsweise welche, die keiner hören wollte… Wie denn auch bei einem möglichen Schnarch-Lärmpegel von bis zu 80 Dezibel. Das entspricht dem Lärm eines Presslufthammers. Kein Wunder, dass mancher Ehepartner freiwillig aus dem gemeinsamen Schlafzimmer auszieht, um anderswo seinen seligen Schlaf zu finden. So sollte der Schnarchende, wenn schon nicht aus Angst um sich selbst, so doch dem Partner zuliebe versuchen, schnarchfrei zu werden.
Bei manchen hilft allein schon die Umstellung der Essgewohnheiten. Sobald das Übergewicht verschwindet, löst sich bei vielen auch das Schnarchproblem. Ebenso kann der Verzicht auf abendlichen Alkoholkonsum sowie auf Schlafmittel helfen. Die Erhöhung der Kopfposition um ein Drittel verhindert wiederum das Zurückfallen des Gaumensegels. Auch die Verlagerung des Körpers von der Rücken- auf die Bauch- oder Seitenlage kann eine Lösung sein. Manche nähen sich einen Tennisball in das Rückenteil ihres Pyjama-Oberteils ein, um ein unbewusstes Zurückpositionieren in die Rückenlage zu vermeiden. Nasen- und Mundsprays oder andere Medikamente können beim Befreien der Atemwege vor dem Einschlafen helfen. Es werden zudem Schnarchbinden, Nasenklammern, Bissschnuller, Bissschienen und vieles weitere zum Verkauf angeboten. Ebenso kann ein Luftkompressor mit Nasenmaske die Atemwege mithilfe von Luftdruck in freiem Zustand halten und somit ein Schnarchen verhindern. Das Gerät, das den Luftdruck erzeugt, ist aber natürlich nicht geräuschlos. Es soll angeblich jedoch leiser als das Schnarchen sein. Der Kampf gegen das Schnarchen mit diesen Hilfsgeräten ist aber manchmal sehr umständlich und teilweise unangenehm. Ob man sich das wirklich antun will, bleibt jedem selbst überlassen.

Ärztliche Hilfe

Schnarchen kann die verschiedensten Ursachen haben, die es gilt abzuklären, um Abhilfe schaffen zu können. Ein Hals-Nasen-Ohren-Arzt prüft die anatomischen Gegebenheiten der oberen Atemwege und kann damit feststellen, ob der Betroffene ein harmloser oder krankhafter Schnarcher ist. In einem Schlaflabor wird das Schlafverhalten des Patienten beobachtet und die Art und der Schweregrad des Schnarchens festgestellt. Anhand von Sensoren an Kopf, Brustkorb und Beinen werden somit die Schlafqualität und die Schlafstruktur ermittelt. Bei dieser Polysomnographie werden die biologischen Funktionen des Menschen im Schlaf gemessen: Hirnaktivität, Atmung, Herz-Kreislauffunktion.
Sind anatomische Gegebenheiten der Grund für die nächtlichen Schnarch-Arien, so kann mit Operationen geholfen werden, Verengungen der Nase, im Mundbereich oder im Schlund zu beheben. Bei Kindern sind es oft die vergrößerten Gaumenmandeln, die sie zu Schnarchern werden lassen. Eine Mandelverkleinerung mit dem Laser – die Elektrotonsillotomie -  kann bei Kindern unter zehn Jahren durchgeführt werden. Eine weitere Operationsmethode für Schnarcher ist die ambulante Radiofrequenzinduzierte Thermotherapie (RFITT). Dabei wird durch eine spezielle Sonde eine Schrumpfung und somit Straffung der erschlafften Weichteile wie des Gaumensegels und des Zungengrundes erzielt. Bei einer Nasenscheidewandverkrümmung oder vergrößerten Nasenmuscheln kann ebenso ein mikrochirurgischer Eingriff hervorragende Ergebnisse erzielen. Durch eine Gaumenoperation, die mit Laser möglich ist, kann das erschlaffte Gewebe der oberen Luftwege und die Mandeln entfernt werden. Ebenso die Abtragung der Schleimhautfalten rechts und links neben dem Gaumenzäpfchen mittels Radiofrequenz-Energie kann ambulant durchgeführt werden. Die Entfernung dieser Falten, die das Schnarchgeräusch hervorrufen, geschieht ohne Verbrennung oder Blutung. Angeblich ist diese Methode die zurzeit schonendste Behandlung zur Beseitigung des Schnarchens.

Gesunder Schlaf ist wichtig

Menschen, die sich vom Schnarchen befreien konnten, fühlen sich ausgeruhter und leistungsfähiger. Ihre für immer verloren geglaubte Vitalität kehrt endlich wieder zurück. Ungestörter und somit gesunder Schlaf erhöht die Lebensqualität und gibt Kraft für den Alltag. Schon Arthur Schopenhauer (1788-1860) sagte: “Der Schlaf ist für den ganzen Menschen, was das Aufziehen für die Uhr.“
Autor:  Admin

Artikel Link: http://www.articolos.de/artikel/Schnarchen-Wenn-nachts-die-Waende-wackeln/

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