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Treue – Altmodisch?


Sehr viele Menschen nehmen es vor allem nach längerer Partnerschaft mit der Treue nicht sehr genau. Es wird stattdessen heutzutage viel von „offenen Beziehungen“ gesprochen. Ist Treue ein altmodischer Wert, eine Tugend, der keiner mehr nachgehen will oder  k a n n? Kann eine Beziehung ohne Treue eine erfüllende sein oder bleibt nicht vielmehr die Liebe zugunsten des Triebes auf der Strecke?

Gründe für den Seitensprung

Die Anzahl der Seitensprünge in fixen Beziehungen und Ehen steigt. Gründe für die außerplanmäßigen Ausflüge können die Suche nach Selbstbestätigung oder mehr Zuneigung sein. Ebenso suchen manche nach einer langen Ehe Abwechslung und mehr Aufregung in einer Zweierbeziehung. Manche unglücklich Verheiratete können zudem aufgrund der gemeinsamen Kinder oder aus finanziellen Gründen nicht aus ihrer Ehe/Beziehung heraus und holen sich die fehlende Geborgenheit heimlich bei einem anderen.
Kommt das verbotene Techtelmechtel ans Tageslicht, sind gegenseitige Vorwürfe, gespielte oder nicht gespielte Reue und Schuldgefühle die Folge. Der Vertrauensverlust führt zu weiteren Verdächtigungen und Auseinandersetzungen, die meist die endgültige Trennung einläuten.
Ganz selten beleben Seitensprünge alte Beziehungen wieder. Selten, denn das alte Vertrauen lässt sich sehr schwer kitten und der betrogene Partner muss schon eine entweder recht starke oder einfältige Persönlichkeit haben, um über eine derartige Verletzung hinweg sehen zu können.

Untreue evolutionär

Bedenklich aber interessant ist die Theorie des Fremdgehens aus biologischer Sicht: Fremdgehen gibt dem Mann die Möglichkeit, seine Gene möglichst weit zu verbreiten. Während eine Frau nur einmal jährlich ein Kind – von Mehrlingsgeburten abgesehen - bekommen kann, kann der Mann in diesem Zeitraum theoretisch viele hundert Male Vater werden. Genug Saft in seinen Lenden und genügend zur Verfügung stehende und willige weibliche Individuen vorausgesetzt… Für die Frauen ist die Vielmännerei angeblich insofern gut, als dass nur das beste Spermium die Eizelle erobert. Gruppensex führt sozusagen zur Konkurrenz unter den Spermien. Nur… wer zahlt dann die Alimente???
Andererseits verhindert die Treue unter den Liebespartnern die Verbreitung von (Geschlechts-) Krankheiten. Ganz abgesehen von den unangenehmen Konflikten, die sie sich ersparen und den psychischen Störungen, die massiver Vertrauensbruch durch Untreue durchaus auslösen kann.

Offene Beziehungen und Polyamorie

„Treue hat nur Wert als ein Gegengeschenk, sonst ist sie die größte Verschwendung“, philosophierte einst der österreichische Schriftsteller Arthur Schnitzler (1862-1931). Darauf scheint u. a. die Beziehungsform „Offene Beziehung“ zu fußen. Offene Beziehungen sind nämlich Partnerschaften, in denen  b e i d e  Partner sexuelle Begegnungen mit jeweils anderen akzeptieren. Sie besuchen z.B. gemeinsam einen  Swingerclub oder haben kurze Sex-Affären. Werden während einer Ehe oder fixen Beziehung länger dauernde Partnerschaften beider Gefährten mit anderen Zeitgenossen in vollem gegenseitigem Einverständnis geduldet, so spricht man von „Polyamorie“. Es gibt zudem Beziehungen mit strikten Regelungen, welche zusätzlichen Partner (meist aus einer Gruppe) gestattet sind. Diese nennt man „Polyfidelity“. Sie sind polyamorös, aber nicht offen.
Es bleibt jedem Paar überlassen, wie es sich seine Partnerschaft gestaltet, jedoch drängt sich die Frage auf, ob die Partner überhaupt Liebe füreinander empfinden, wenn sie die Intimität ihres Geliebten mit einer anderen Person gelassen dulden und sich selbst ebenso einem anderen Menschen hingeben können?
Zu dem Thema „Offene Beziehungen“ wurde 1983 eine Tragikomödie des italienischen Theaterautoren und Literaturnobelpreisträgers Dario Fo uraufgeführt. Es hieß „Offene Zweierbeziehung“ und handelte von einem Ehepaar, das sich auf Wunsch des Mannes in offener Beziehung probiert, jedoch schlussendlich kläglich scheitert. Antonia fügt sich anfangs widerstrebend ihrem Schicksal als betrogene Ehefrau, verändert dann aber ihre Einstellung und geht später selbst fremd, welcher Umstand am Schluss wiederum ihren Ehemann in den Tod treibt. Die Geschichte will verdeutlichen, dass eine offene Zweierbeziehung nicht durchführbar ist, da sie unabwendbar mit Eifersucht und Verletzungen einhergeht. Liebe vorausgesetzt…

Geborgenheit und Liebe

„Die wahre Liebe ist keiner Untreue fähig!“ behauptete einmal die deutsche Schriftstellerin Bettina von Arnim (1785-1859). Lang ist´s her, doch diese Worte haben heute noch ihre Gültigkeit.
Treue baut auf Vertrauen, Loyalität und Verlässlichkeit auf. Sie ist die Basis für eine wertvolle Liebesbeziehung. Untreue bedeutet eine Verletzung des Partners und der gegenseitigen Vertrauensbasis. Die Menschen sehnen sich neuesten Berichten zufolge in der heutigen Zeit der Tabulosigkeiten und unangebrachten Offenheit immer mehr nach Geborgenheit und Sicherheit. Diese kann in einer Beziehung aber wiederum nur durch großes Vertrauen und Treue zueinander gesichert werden. Treu zu sein zeugt, wie von Experten erkannt, zudem von menschlicher Reife. Man befreit sich von der Triebnatur, um sich der Liebe zum (Ehe-)Partner zu widmen. Schafft man das nicht, ist man nicht reif für die echte, tiefe Zuneigung zum anderen Geschöpf.
Ist die Liebe verblasst und man ist sich sicher, mit dem Partner nicht mehr zusammen sein zu wollen, sollte man Untreue auf jeden Fall vermeiden! Der beste Weg ins neue Glück ist, „klar Schiff“ zu machen, bevor man eine neue Liebschaft beginnt. So schont man das Selbstvertrauen und die Gefühle des verlassenen Partners und nicht zuletzt seine eigenen Nerven.

Autor:  Admin

Artikel Link: http://www.articolos.de/artikel/Treue-Altmodisch/

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