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Warum heiraten?


„Es gibt sicher viele Gründe für die Scheidung, aber der Hauptgrund ist und bleibt die Hochzeit“, scherzte einst der US-Komiker Jerry Lewis (*1926). Beobachtet man die hohe Scheidungsrate, könnte man sich das Heiraten eigentlich tatsächlich sparen. Warum treten heute aber immer noch Liebespaare den waghalsigen Marsch zum Traualtar an? Was motiviert sie zu dem kühnen Schritt, der so oft in eine Sackgasse führt? Eine Sackgasse, die nur mehr mit der Scheidung verlassen werden kann und zudem häufig große finanzielle Probleme mit sich bringt?

Angst vor Bequemlichkeit

Angelina Jolie hat Brad Pitts rührenden Heiratsantrag rundheraus abgelehnt. Ihre Antwort war, ihre großartige Verbindung nicht durch eine Heirat ruinieren zu wollen. Hinter dieser Erklärung steckt wohl auch die manchmal sicher nicht unberechtigte Angst vieler Liebender, eine Legitimierung der Partnerschaft könnte zu einer Selbstverständlichkeit und Bequemlichkeit im Umgang miteinander führen, da man sich des anderen viel sicherer fühlt als v o r der Ehe. Die Angst, der andere bemühe sich nicht mehr um einen, lasse sich vielleicht auch äußerlich gehen oder fühle sich in der Ehe beengt und eingesperrt und breche in der Folge früher oder später aus, ist sicher nicht unbegründet.

Finanzielle Perspektiven

Ein gewichtiger Grund, wieso viele Liebespaare nicht mehr heiraten, mag zudem sein, dass die Großzahl der Frauen von heute wirtschaftlich nicht mehr derart abhängig sind, wie noch vor vierzig Jahren. Sie haben ihren Job, ihre eigene Wohnung, ihr eigenes Auto. Wozu heiraten?
Hinzu kommt, dass Männer bei Scheidungen häufig ein großer finanzieller Nachteil erwächst. Die Notwendigkeit für ihre Kinder finanziell aufzukommen, sehen die meisten Väter ein, jedoch nicht, dass sie oft den Wert des Hauses oder anderer Eigentümer, die die Eheleute zwar gemeinsam angeschafft haben, aber in vielen Fällen aus den Mitteln des meist besser verdienenden Mannes bezahlt wurden, nun nach der Scheidung mit der Ex-Frau teilen müssen. Ganze Besitztümer müssen dann oft völlig aufgegeben werden, um die Frau abzufinden. Berichte wie von dem des Mannes einer untreuen Ehefrau, der sie nach der Scheidung mit der Hälfte des Hauswertes abfertigen hätte müssen und sich daraufhin in seiner Verzweiflung samt seinem Haus in die Luft gesprengt hat, um ihr nichts übrig lassen zu müssen, hindern viele Männer am Heiraten. Ein Ehevertrag jedoch, in dem die Partner eine Gütertrennung festlegen, kann dieses Risiko verhindern und diesbezügliche Ängste sicherlich beseitigen.

Ein Auslaufmodell?

Andere wiederum halten die Ehe für ein Auslaufmodell. Zeitgemäßer sei stattdessen doch eher eine Lebensabschnittsgemeinschaft. Da sich jeder Mensch im Laufe seines Lebens verändert, passe auch zu jedem Abschnitt ein anders gearteter Partner zu ihm. So könne eine Ehe mit ein und demselben Gefährten gar keine befriedigende Dauerinstitution sein. Um sich den Kummer mit der Scheidung zu ersparen, heiraten viele daher erst gar nicht.

Keine Garantie

Warum viele aber dennoch den mutigen Schritt zum Traualtar wagen, ist wohl dem gebliebenen Traditionsbewusstsein des modernen Menschen zu zuschreiben. Aber vor allem   wollen Liebende natürlich dem Gefühl des „Wir“ einen stärkeren Ausdruck zu verleihen. Die Tatsache, sich vor aller Welt als legitimes Paar präsentieren zu können, gibt vielen Verliebten ein Gefühl der Geborgenheit, Stärke und Sicherheit. Mit Eheverträgen kann man schließlich das finanzielle Risiko ausschalten – und was gibt es Schöneres, als eine liebevolle Verbindung mit dem Ehebund zu beschließen? Eine Garantie für das Gelingen gibt es immerhin für k e i n e Sache auf der Welt. Wenn das Gefühl für den anderen jedoch ein überaus gutes ist, sollte man besser nicht zu lange zögern. Denn wie sagte schon der deutsche Gelehrte und Staatsmann Wilhelm von Humboldt (1767-1835): „Alles was sich zu lange hinschleppt, ehe es zu etwas nur irgend Sichtbarem wird, verliert an Interesse.“
Autor:  Admin

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